Götterdämmerung

Geschrieben von: Stefan Schmöe/ www.omm.net

Eene, meene, miste ...
... es rappelt in der Kiste: Die nämlich, oft auch in der Variante „Pappkarton“, ist das wichtigste Requisit in Barrie Koskys Version von Wagners Weltuntergangsdrama. Es beginnt, noch bevor die Musik eingesetzt hat, mit so einem Karton, hereingeschoben von einer sehr alten, völlig unbekleideten Dame, offenbar Urmutter Erda. Der Kiste entnimmt sie drei Stühle, Sitzgelegenheit für die drei Nornen. In einen Karton wird Brünnhilde verpackt, und Siegfried wird sich zum Sterben wohin zurückziehen? Richtig, in den Pappkarton. Größer ist die Kiste im zweiten Aufzug, da passt dann ein kompletter Männerchor hinein. Kosky soll in Essen den Schlusspunkt setzen unter einen Ring, der vier verschiedenen Regisseuren anvertraut ist. Die besondere Aufgabe besteht folglich darin, jede der vier Opern als autonomes Werk zu inszenieren. Das war Tilman Knabe mit einem in seiner provokativen Bildsprache polarisierenden, aber in sich stringenten Rheingold-Welttheater brillant, Dietrich Hilsdorf in seinem im Geiste Strindbergs erzählten Walküren-Familiendrama immer noch sehr beachtlich gelungen, während sich Anselm Webers Siegfried beziehungs- und orientierungslos im Halbdunkel verlief. Die Götterdämmerung beginnt durchaus vielversprechend. Sicher kommt dem Konzept entgegen, dass die Nornen zunächst viel Vorgeschichte rekapitulieren. Kosky bebildert das durch einen (von Bühnenbildner Klaus Grünberg gedrehten) comichaften Trickfilm, in dem die Weltesche ein Brokkolistrunk ist. Der Mythos als ironisch gebrochene Schablone, das lässt sich zunächst plausibel an. Dann kommt der Schwenk in die Gegenwart: Siegfried und Brünnhilde leben in einem schäbigen Zimmer (das Feuer lodert, wieder im Stile eines Comics, vor der Tür) und sind zunächst damit beschäftigt, unter der Bettdecke kräftig zu fummeln. Dann zieht Siegfried im dreckigen T-Shirt und mit Motorradhelm lässig ab. Eine Geschichte vom Erwachsenwerden? Bei den smarten Gibichungen, deren eleganter Salon nur eine Wand im leeren Raum ist und falsche Geborgenheit vortäuscht, ist es um den jungen Mann mit schlechten Manieren schnell geschehen, derweil die von den Vorgängen in Walhall sichtlich traumatisierte Waltraute (Ieva Prudnikovaite glänzt mit klar fokussiertem, intensivem Sopran) bei der kindlich-naiven Brünnhilde abblitzt. Das junge Heldenpaarzeigt sich in bitterer Parallelität den Anforderungen der Realität nicht gewachsen. Da scheinen die Handlungsfäden nicht ungeschickt ausgeworfen, doch im zweiten Akt kippt die Inszenierung. Die Erscheinung Alberichs ist eine Karikatur auf einen Juden, mit aufgesetzter Hakennase, abstehenden Ohren und spindeldünnen Ohren (Günter Kiefer singt energisch zupackend). Fortan wird diese Figur immer wieder auftauchen, ohne erkennbar in ein Konzept eingebunden zu sein. Offenbar spielt Kosky (reichlich plump) auf Wagners Antisemitismus an. Dann öffnet Hagen (Attila Jun verleiht der Figur mit gefährlich schwarzer, durch pointiert scharfe Konsonanten gezielt „hässlicher“ Stimme dämonische Züge) seinen Riesenkoffer, und heraus purzeln Dutzende von Neonazis. Na ja. Nazis hatten wir früher ja schon zu Genüge, dann jetzt eben Neonazis. Die tollen herum wie auf dem Kindergeburtstag, trinken viel Dosenbier und wissen offenbar auch nicht so genau, was sie in dieser Inszenierung machen sollen. Aber wir werden sie leider nicht mehr los. (Sie singen, einstudiert von Alexander Eberle, beeindruckend laut, allerdings auch recht martialisch im Ausdruck.) Die Rheintöchter im dritten Akt sind Revuegirls mit Federboas, und aus den erwähnten Kartons steigen noch allerhand bunt kostümierte Gestalten mit exzessivem Sexualverhalten. Der Jude ist wieder da und hat Analverkehr mit einem gehörnten Germanen, ein Mädchen in knallroten Schuhen und mit Wolfsmaske bevorzugt Oralverkehr mit einem blutbeschmierten Krieger in Pickelhaube. Ab und zu fallen alle um. Die Neonazis setzen sich brav auf Stühle und verhalten sich jetzt ganz ruhig, und Siegfrieds Erzählung wird zum besseren Verständnis auch pantomimisch dargestellt. Die Decke aus etlichen weißen Platten hebt und senkt und hebt und senkt sich sinnfrei, Siegfried ist tot und krabbelt in die Kiste, Hagen ersticht Gunther und dann auch noch Gutrune, und Brünnhilde hat irgendwo ein unglaublich albernes Walkürenkostüm gefunden. Hin und wieder schreitet die nackte Erda vorbei, und irgendwann ist der letzte Ton gesungen und die Wände fahren hoch und die Neonazis gehen zur Seite ab in die Kulissen anderer, besser inszenierter Stücke und nur die nackte Erda bleibt zurück (ein bisschen mehr Theaterzauber zum Weltuntergang hätte Kosky ruhig veranstalten dürfen). Es bleibt der vage Verdacht, der Regisseur könnte sich womöglich doch etwas gedacht haben. Sicher auch etwas in der Art: Das Ganze ist eben Theater, und am Ende ist das Theater vorbei. Das aber ist viel zu unscharf inszeniert. Die Sache mit den Kisten hat aber noch eine ganz andere Pointe. Solche Kisten sind ja schnell gepackt und auch verfrachtet. Nach Hannover zum Beispiel. Da inszeniert Kosky nämlich auch, und zwar den kompletten Ring, der bis zur Walküre gediehen ist und noch in dieser Spielzeit zum Abschluss gebracht wird. Es fanden sich im Essener Premierenpublikum so manche Hannoveraner, die schon 'mal schauen wollten, wie es denn weiter geht mit den Wälsungen. Denn wie es scheint, ist diese Götterdämmerung gar nicht der versprochene Monolith im Vier-Regisseure-Ring, sondern schlichtweg die Vorpremiere (oder, anders formuliert, eine „Arbeitsfassung“) für Koskys Hannover-Götterdämmerung, die im Gegensatz zur Essener Aufführung ja drei Opern Vorgeschichte hat. Das erklärt auch so manches Detail: Das Rheintöchter-Varieté zu Beginn des dritten Aufzugs ist die konsequente Fortsetzung des Rheingolds (nur eben nicht des Essener, sondern des Hannoverschen). Brünnhildes Motorradhelm hat unser niedersächsischer Korrespondent schon in der Walküre gesichtet, wie man hier nachlesen kann. Und was haben die Essener davon, dass sie diese Götterdämmerung nun als erste sehen dürfen? Sie können den Hannoveranern zurufen: Ich hab' zwar vieles nicht kapiert, das aber früher als ihr. Der ganz große Pluspunkt dieser Produktion ist die starke Orchesterleistung und das expressive, immer transparente und flüssige Dirigat von Stefan Soltesz. Die Musik drängt mit großer Spannung nach vorn, hat aber auch Ruhepunkte, ohne an Binnenspannung zu verlieren. Problematisch ist die Besetzung der Brünnhilde mit der amerikanischen Sopranistin Caroline Whisnant, deren flackerndes, doch sehr eintöniges Vibrato (das sie mit starken Bewegungen des Unterkiefers erzeugt, was wiederum optisch nicht gerade bühnenwirksam ist) die an sich große und volle, in der Höhe etwas gepresste Stimme in der Ausdrucksfähigkeit stark einschränkt. Dazu kommt der störend starke Akzent (auch die genannten Ivea Prudnikovaite und Attila Jun haben nicht Deutsch als Muttersprache, deklamieren aber ungleich genauer). Jeffrey Dowd wurde als grippegeschwächt angekündigt, schlug sich als Siegfried aber tapfer. Ein schwerer Heldentenor ist er nicht und muss in den extremen Spitzentönen mogeln (was er recht geschickt tut), aber die angenehme Mittellage und auch die nicht strahlende, aber geschmeidige Höhe spricht gut und tragfähig an. Die relativ leichte Stimme passt zudem zur Anlage der Rolle, die den Siegfried als unbedarften Jungen (und nicht als tragischen Helden) zeigt – das spielt Dowd sehr gut aus. Imponierend ist der großformatige, strahlkräftige Gunther von Heiko Trinsinger, beachtlich die Gutrune von Francisca Devos. Nornen und Rheintöchter singen durchweg ordentlich. FAZIT Glänzendes Orchester, viel Licht und ein kräftiger Schatten bei den Sängern. Der Inszenierung gelingt es nicht ansatzweise, den Essener Ring zu einem überzeugenden Abschluss zu finden – erst nach der Premiere der Götterdämmerung in Hannover vom selben Regisseur wird man beurteilen können, wie viel Originäres in Essen auf die Bühne gestellt und wie viel vorweggenommene Zweitverwertung hier schwer genießbar aufgetischt wurde.



Götterdämmerung

geschrieben von: Klaus Billand, Der Neue Merker, Wien (www.der-neue-merker.eu)

GÖTTERDÄMMERUNG am 23.10.2010
Es passiert auch nicht allzu oft, dass ein Regisseur, der an einem Hause - in diesem Fall Hannover - einen neuen „Ring“ inszeniert und mit einer eher wenig überzeugenden Gangart bei der „Walküre“ angekommen ist seine Sicht der „Götterdämmerung“ noch vor dem „Siegfried“ an einem anderen Haus zur Schau stellt, denn eine Show war BARRY KOSKYS „Götterdämmerung“ in Essen in der Dramaturgie von Ina Wragge und ulrich Lenz weit mehr als eine Inszenierung. Das konnte funktionieren, da das Aalto- Musiktheater wie einst Stuttgart vier erschiedene Regisseure für Wagners Tetralogie gewählt hatte und der „Siegfried“, nach einem äußerst unkonventionellen aber stimmigen „Rheingold“ von Tilman Knabe und einer sehr gelungenen „Walküre“ von Dietrich Hilsdorf, in einer auch nicht allzu interessanten Inszenierung von Anselm Weber bereits im November 2009 über die Bühne gegangen war. Es mutet wie eine Ablenkung, wenn nicht wie ein Witz an, dass Kosky gleich auf der ersten Seite des Programmheftes Wagners berühmte Sicht des Mythos zitiert: „Das Unvergleichliche des Mythos ist, dass er jederzeit wahr und sein Inhalt, bei dichtester Gedrängtheit, für alle Zieten unerschöpflich ist. Die Aufgabe des Dichters war es nur, ihn zu deuten.“ Denn Kosky reduziert das große Drama, das ja gerade durch seine auch mythologischen Dimensionen wirkt und Universalität besitzt, was auch immer wieder in Wagners Komposition zum Ausdruck kommt und in bestimmten Momenten musikalisch akzentuiert wird, gnadenlos und in einer fast atemberaubend profanen Optik (Bühnenbild/Licht/Trickfilm Klaus Grünberg) auf ein „verworrenes Drama über Familien“. Dabei ist es für ihn unbedeutend, ob diese Familien Götter, Riesen, Zwerge oder Menschen sind. Es seien die „immer wieder implodierenden familiären Verbindungen“, die uns letztlich den „Ring“ interessant, anregend und bewegend erscheinen ließen. Da ist sicher etwas dran, aber es ist wohl doch zu kurz gegriffen angesichts der komplexen Universalität von Wagners opus summum. Dieser Gedanke wird in Koskys Regie auch letztlich nicht stringent durchgeführt, da er sich durch seine viel zu große Vorliebe für überzogene Gags und alle möglichen und unmöglichen Aberrationen auf keine durchgängige Dramaturgie einlassen will - so hat es zumindest den Anschein. Dabei hätte er eben genau auf der Essener Bühne studieren können, wie Dietrich Hilsdorf in seiner „Walküre“ die scheiternden familiären Beziehungen und Bindungen auf sehr subtile und damit umso nachhaltiger wirkende Art und Weise inszenierte. Wie er das damals im 2. Aufzug mit allen Beteiligten am großen Tisch der Familienabrechnung darstellte, hatte schon eine ganz besondere dramaturgische Qualität. Kosky stattdessen verlegt sich auf eine immer wieder allzu platte und nahezu groteske Visualisierung von vermeintlichen oder tatsächlichen zwischenmenschlichen bzw. familiären Beziehungen, die durch ihre profane Optik und die damit in enger Verbindung stehenden banalen Accessoires viel von genau der Bedeutung nimmt, die uns seiner Meinung nach am „Ring“ so bewegt. Dabei arbeitet er in einer kaum noch aufhaltbar und im Laufe des Abends immer willkürlicher erscheinenden Dynamik mit großen Pappkartons. Im Hannoveraner „Rheingold“ machten diese zur Verpackung des Rheingolds noch Sinn, auch wenn da die Tixo-Rolle schon allzu verstörend unter einem noch unpassenderen Quietschen der Klebebänder bemüht wurde. Hier kommt noch vor dem mythisch unergründlichen Vorspiel die Bestuhlung der profanen Nornen in Alltagsklamotten (Kostüme oft mehr als gewöhnungsbedürftig KLAUS BRUNS) aus einem Pappkarton, höchstpersönlich von Erda bereitstellt. Diese ist wieder die sehr alte Frau (Magareta Waterkamp), splitterfasernackt, die wir schon im „Rheingold“ als Erda erlebten. Damals kam sie wie aus dem Nichts langsam auf den blutjungen Wotan zugeschritten und bewegte ihn gleichwohl in einer ebenso sinnlichen wie liebevollen Umarmung zum Umdenken. Es war ein Moment mit großer Fallhöhe, aber eben auch, weil es nur ein kurzer Moment war. Hier nun ist die Dame fast in Permanenz präsent und verliert so ihre urprüngliche Wirkung, sie verpufft regelrecht. Immer wieder muss sie Kartons verschieben und steht gar im Finale als einzige auf der Bühne verbliebene Figur in angestrahlter Nacktheit am Souffleurkasten. Selbst in dieser ersten Reprise kamen deshalb wohl gleich die Buhs nach dem Verklingen der letzten Takte. Aber auch mit der Erscheinung des Alberich im 2. Aufzug als Juden machte Kosky, selbst jüdischen Glaubens, einiges von dem zunichte, was er zum Thema Judentum im Hannoveraner „Rheingold“ noch durchaus schlüssig dramatisierte. Dort hatte er das Thema aufgegriffen, ob Wagners Antisemitismus Niederschlag im „Ring“ gefunden habe. Kosky sieht sowohl in der Musik wie im Libretto einen Zusammenhang als erwiesen an. Für ihn sind die beiden Nibelungen aber nicht „jüdische Charaktere“, sondern „groteske Ausgeburten von Wagners Ängsten und Schrecken in Bezug auf die Juden“. Das wurde am Vorabend recht eindrucksvoll inszeniert. Wie sich Alberich aber in der „Götterdämmerung“ als jüdischer Vater des T-Shirtund Jeans-bekleideten Siegfried aufführte, ebenfalls aus einem Karton entsteigend und nach und nach seine jüdischen Insignien abwerfend, von denen Hagen dann einige im Aschenbecher verfeuert, das lässt den Betrachter doch einigermaßen verstört zurück. Noch mehr, dass er im 3. Aufzug im Rahmen einer ohnehin allzu beliebigen Sexorgie auch noch mit einem Wotan im Uraufführungsoutfit kopulieren muss. Man fragt sich hier wirklich, was Kosky damit noch meinen konnte, im „Rheingold“ war das recht einleuchtend. Dagegen wirkt es schon fast romantisch nett, wenn es Siegfried in weißer Unterwäsche mit Brünnhilde in einer billigen Holzmansarde unter der Bettdecke treibt, sie auch nicht gerade in verführerischer Optik und Pose. Weitere Beispiele für eine viel zu plakative und profane Ästhetik ließen sich in großer Zahl aufführen, so u.a. auch der Broccoli-Baum als Weltesche in einem entbehrlich scheinenden Trickfilm zum Vorspiel, oder Siegfried als Parsifal im Schlussakt. Es sollen aber auch einige Stärken der Produktion hervorgehoben werden. An erster Stelle ist da wie immer Koskys gute Personenregie zu nennen, die wirklich bis ins letzte ausgearbeitet ist, auch wenn er dabei wie schon in seiner Hannoveraner „Walküre“ immer wieder gegen die Musik inszeniert. Das scheint ihm jedoch relativ egal zu sein. So ist die Gibichungen-Szene mit der umgehenden Vergewaltigung Waltrautes durch Siegfried (man muss es ja sagen, es hätte ja auch Hagen ein können) auch aufgrund ihres gelungenen Bühnenbildes stark fokussiert, und die Hagenwacht auf völlig leerer Bühne unter einem herrschaftlichen Luster hinterlässt eine starken Eindruck. Am besten gelingt dem Regisseur jedoch der 2. Aufzug, v.a. mit der Optik und Dramaturgie der Mannen, die intensivst und dynamisch choreographiert werden. Kosky zeigt knallhart, wie leicht die Massen zu manipulieren sind. Insignien vergangener Zeiten von Stierhörnern über die Helme römischer Soldaten und Wehrmachtslandsern bis zum Hakenkreuz signalisieren die Zeitlosigkeit des „Ring“. Hier hat die Inszenierung zeitweise starke Ausdruckskraft. Leider wurde sie nicht mit allen sängerischen Leistungen darin unterstützt. Allen voran gab Caroline Whisnant einmal mehr das stimmlich trostlose Bild einer fast ständig tremolierenden Brünnhilde. Darstellerisch in vielen Phasen durch ihr engagiertes Spiel durchaus überzeugend, zumal bei den Speereiden im 2. Aufzug, konnte sie zu keinem Zeitpunkt mit Klangschönheit und Intonationssicherheit beeindrucken. Ihr Sopran ist ferner einfach zu kehlig, auch wenn die Höhen immer wieder gelingen. Ganz anders ihre Schwester Waltraute, die von Ieva Prudnikovaiet verkörpert wurde. Und das kann man im wahrsten Sinne so sagen, denn sie ist äussterst attraktiv und versteht ihre dramaturgische Aussage nachdrücklich mit intelligenter Rollengestaltung zu untermauern. Und das Ganze auch noch mit einem leuchtenden Mezzo bei bester Phrasierung und Diktion. Eine festspielhafte Leistung! Der Essener Siegmund Jeffrey Dowd sang nun auch den Siegfried und interpretiert die Rolle des scheiternden Helden, der bei Kosky ja keiner ist, intelligent und gefühlvoll. Allein, die Stimme ist für diese Rolle noch nicht groß genug. Auch singt er mit seinem sehr baritonalen Timbre, welches zum Siegmund gut passt, immer etwas zu tief - es fehlt an tenoralem Glanz. Ein Heldentenor ist und wird Dowd wohl sicher nicht. Attila Jun als Hagen hingegen kann als Nachwuchstalent in dieser Rolle gelten. Er besticht durch einen klangvollen Bass, der ebenso zu kräftigen Höhen wie gefühlvollen Piani in der Lage ist. Dazu kommt sein souveränes Spiel, das den Antihelden hier in seiner ganzen Abgekochtheit zeigt. Eine sehr gute Leistung, die auf mehr hoffen lässt. Auch Heiko Trinsinger als Gunther kann sowohl stimmlich mit einem schönen Bariton als auch durch sein engagiertes Rollenprofil voll überzeugen. FRANCISCA DEVOS hat einen etwas leichteren Sopran, der aber durchaus zur Rolle passt, und sie füllt als attraktive „Buhlerin“ die Gegenrolle zu Brünnhilde bestens aus. Günter Kiefer als Alberich deklamiert zu stark, hat aber auch eine wenig beneidenswerte schauspielerische Prozedur zu absolvieren, welche er zwar mit Bravour erledigt, die aber kaum Konzentration auf stimmliche Linienführung zulässt. ILDIKO SZÖNYI hat als 1. Norn leichte Intonationsschwierigkeiten, während FRANCISCA DEVOS eine gute 3. Norn gestaltet und Ieva Prudnikovaite eine 2. Norn und Flosshilde der Extraklasse singt. Katherina Müller als Woglinde und Marie-Helen Joel als Wellgunde machen ihre Sache ebenfalls gut. Leider müssen auch sie trotz ihres Glamourgirl-Outfits Pappkartons verschieben… Der Opern- und Extrachor des Aalto-Theaters unter Leitung von Alexander Eberle war nicht nur in seiner darstellerischen Dramatik eindrucksvoll. Die Mannen bestachen auch durch eine hervorragende Stimmkultur und Ausdruckskraft, ein Klasse-Ensemble! GMD STEFAN SOLTESZ stand wieder am Pult der Essener Philharmoniker und musizierte wie schon bisher im „Ring“ mit großem Bedacht auf Transparenz und eine gewisse kammermusikalische Leichtigkeit. Pathos ist Soltesz sicher fremd. Es hätte auch ganz und gar nicht zu dieser Inszenierung gepasst, in welcher der Regisseur die Musik klar in die zweite Linie, wenn überhaupt irgendwohin stellte. Und somit blieb das Dirigat hier und da auch etwas beiläufig, schuf nicht immer den direkten Zusammenhang mit dem Geschehen auf der Bühne, von dem man durch den übertriebenen Aktivismus auch einigermaßen abgelenkt wurde. Dafür konnten die guten Essener Philharmoniker jedoch nichts. Wie schon in der Premiere musste man sich über allzu häufige Hornschmisse wundern. Essen hat nun seinen „Ring“ mit vier Regisseuren abgeschlossen, und es ergibt sich, anders als beim parallel laufenden „Ring“ von Anthony Pilavachi in Lübeck, der ebenfalls oft unkonventionelle, aber weit weniger plakative und besser durchdachte Regielösungen anbot, ein uneinheitliches Bild. Rückblickend wäre es vielleicht eine gute Idee gewesen, Dietrich Hilsdorf mit der gesamten Tetralogie zu betrauen. Nach seiner „Walküre“ riss der Essener „Ring“-Faden doch ziemlich ab. Mit dieser Erfahrung erscheint der weit reichende Zuspruch, den seinerzeit das Stuttgarter „Ring“-Konzept mit vier Regisseuren fand, in einem anderen Licht. In Bayreuth sollte man sich darüber für 2013 vielleicht noch ein paar Gedanken machen…



Götterdämmerung

geschrieben von: www.opernetz.de

Weißt Du, was der meint?
Die Erwartungen waren groß: wie würde Barrie Kosky den Essener Ring des Nibelungen vollenden? Dem Australier oblag die Aufgabe, als letztem von vier verschiedenen Regisseuren, am Aalto-Theater die Götterdämmerung zu inszenieren. Das Fazit nach der Premiere fällt etwas enttäuschend aus. Denn der große Wurf war es nicht, der da in fünfeinhalb Stunden auf der Bühne zu erleben war. Der Rote Faden fehlte, ein schlüssiges Konzept, das Koskys zahllose einzelnen Ideen und Gedankenanstöße zu einem nachvollziehbaren großen Ganzen hätte werden lassen. Am ehesten noch kommen die Begriffe Heimatlosigkeit und Entwurzelung in den Sinn, wenn die durch das Fällen der Weltesche heimatlos gewordene Erda aus einem Pappkarton Stühle für ihre Töchter, die Nornen auspackt. Deren Nacherzählung des Gewesenen kommentiert Kosky mit einem Zeichentrickfilm, der mit Monty-Python-Anleihen sehr lustig wirkt. Lustig und originell wirkt noch vieles mehr an diesem Abend. Wie die muntere Jagd im Wald, bei der Siegfried „erlegt“ werden soll und die hier als eine Art Varietè-Veranstaltung daherkommt, in der die Rheintöchter mit ganz putzigen Federpuscheln wackeln – Federpuschel, die Kosky und seine Ausstatter (Bühne: Klaus Grünberg, Kostüme: Klaus Bruns) vor weniger als einem Jahr bereits im Rheingold in Hannover gezeigt haben. Noch etliches anderes mehr wurde von der Leine an die Ruhr exportiert. Lustig sind auch Gunther und Gutrune, die in einem gediegenen Salon sitzen und feinen Zwirn tragen. Sie spielen mitunter gern mal Haschen und lachen, was das Zeug hält, als Siegfried zu ihnen stößt und sich auf dem Tisch herumlümmelt. Erstaunlich diszipliniert sind die Skinheads in ihren szenetypischen Klamotten, Hagens Mannen, die für ihn streiten.
Kosky gelingen schöne Szenen, wie etwa das Mordkomplott gegen Siegfried auf leerer Bühne. Da kommt ein Hauch von Intensität auf. Viele seiner Tableaus lassen sich aber einfach nicht erschließen, sind womöglich Vorgriff auf das, was demnächst in Hannover zu sehen sein wird (dort führt Kosky ganz allein Regie im gesamten Ring). Rätselhaft, weshalb Alberich zwischendurch die Gestalt eines orthodoxen Juden annimmt und Analverkehr hat mit einem Wotan, der aussieht wie weiland Ludwig Schnorr von Carolsfeld auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses. Und weshalb trifft Waltraute blutüberströmt bei Brünnhilde ein? Fragen über Fragen - ohne dass jemand den Ansatz einer Lösung gäbe. Dafür erzählen Stefan Soltesz und die Essener Philharmoniker. Sie erzählen voller Dramatik und Spannung, nie polternd oder laut. Streicher und Holz sind edel, Pech allerdings hat am Premierenabend die patzende Hörnerfraktion.
Von den Sängern bekommt Attila Jun für seinen markerschütternd schwarzen Hagen den meisten Applaus. Jun singt fantastisch, mit großer Ausstrahlung und faszinierender Stimme. Heiko Trinsinger wird als Gunther zu Recht gefeiert, Jeffrey Dowd für seinen Siegfried, der nicht unbedingt silbern strahlt, aber flexibel, kernig und durchsetzungsfähig ist. Endlose Energie hat auch Caroline Whisnant für ihre Brünnhilde – nur keine klangvolle, sondern eine gellende und unbehauene Stimme mit viel zu üppigem Vibrato. Ihre hellen Vokale stechen wie die Spitze von Nadeln, zudem hat sie große Schwierigkeiten mit dem deutschen Idiom.
Weitaus sympathischer wirken Francisca Devos als kultivierte Gutrune und Ieva Prudnikovaite als Waltraute, die ihre Erzählung mit ausgeglichenem und herrlich strömendem Mezzo vorträgt. In den kleineren Rollen ergänzen Günter Kiefer (Alberich), Ildiko Szönyi, Katherina Müller und Marie-Helen Joël das Ensemble.
Ganz großartig geschlossen und mit überragender Frische und Sicherheit ließ sich Alexander Eberles Chor vernehmen. Ganz am Ende ist die Bühne fast leer, nur Erda steht einsam darauf – und auf den beiden Seiten- und der Hinterbühne erscheinen die Requisiten der drei vorangegangenen Ring-Inszenierungen. Schließt sich so ein Ring?
Das Publikum war hinsichtlich der Regie geteilter Meinung: Buhs und Bravi für das Kosky-Team. Einstimmig das Votum für Stefan Soltesz und sein Orchester: der Beifall rauschte. Christoph Schulte im Walde


Götterdämmerung

Geschrieben von: Fankfurter Rundschau

Mama ist die Beste
Essens Aalto-Oper komplettiert den "Ring des Nibelungen" im Kulturhauptstadtjahr. Seinen letzten Teil inszeniert der Australier Barrie Kosky - und legt dabei Wert auf effektvolle szenische Behauptungen und metaphorischen Klamauk.
In Essen ist man nicht erst zum Wagner-Jubiläum 2013 mit dem Nibelungen-Ring fertig, sondern im Kulturhauptstadtjahr. Stefan Soltesz, Intendant und GMD, hat ihn mit vier verschiedenen Regisseuren auf die Bühne gebracht. An der Aalto-Oper ist nach einem furiosen „Rheingold“ (Tilman Knabe), einer stimmigen „Walküre“ (Dietrich Hilsdorf) und einem ziemlich ideenlauen „Siegfried“ (Anselm Weber) mit der Götterdämmerung von Barrie Kosky jetzt der Ring komplett. Oder auch nicht. Denn dieses Vorgehen läuft ja auf Collage, auf das Anreißen verschiedener Aspekte hinaus. Es kann per se eher die Brüche von Wagners mythischem Welterklärungsversuch offenlegen als seine innere Dialektik stringent entfalten.
Kosky muss nun einen für sich stehenden Beitrag in Essen liefern und zugleich in Hannover, noch in dieser Spielzeit, „Siegfried“ und eben die „Götterdämmerung“ für sein eigenes Ring-Projekt nachreichen. Die australische Frohnatur hat offenbar kein Problem damit, all jene inhaltlichen und ästhetischen Verweise auf die Hannoveraner Teile, als autonome Chiffren einfach mitzuliefern. Das ist keine Katastrophe, weil Kosky ohnehin auf effektvolle szenische Behauptungen und metaphorischen Klamauk setzt. In der dekonstruierenden Bühnen-Ästhetik von Klaus Grünberg lässt sich das alles mühelos nebeneinander stellen bzw. ein- und auspacken.
Brünnhildes und Siegfrieds Liebesnest ist ein Miniappartement in der Höhe mit züngelnden Flammen vor der Tür. Für den Salon der Gibichungen reichen drei Stellwände mit Türen und ein Kronleuchter überm Tisch. Der Rest kommt und geht auf leergeräumter Bühne in menschengroßen Pappkartons. Für Hagens Mannen gibt es das als XXL-Variante. Auch das ist typisch für Kosky: Es macht enormen Eindruck, wenn sich da eine Horde von Skinheads vom martialisch auftrumpfenden Hagen manipulieren lässt. Das ist entlarvend und passt so zur Musik wie der berühmt gewordene cineastische Hubschrauberangriff zum Walkürenritt.
Kosky kriegt den Bogen trotzdem nicht. Es ergeben sich keine Weiterungen und Verschränkungen mit dem übrigen Geschehen. Die Idee verläppert spätestens, wenn die tätowierten Glatzen mit ihren Bierbüchsen braves Entsetzen artikulieren, nach dem Hagen Siegfried mit der Wut des zu kurz Gekommenen niedergestochen hat. Auch eine Albtraum-Revuenummer wirkt wie unausgegorener Slapstick-Mutwillen. Koskys Spiel mit vermeintlichen Tabubrüchen, ob nun bei jüdischen Klischees oder sexuellen Grenzüberschreitungen, hat sich abgenutzt.
Uneingelöstes Leitmotiv
Der Frage nach Relevanz weicht Kosky am Ende mit einer Auflösung des Theaters aus. Er lässt die Wände zu den Seitenbühnen verschwinden und alle Darsteller gemessenen Schrittes die Bühne verlassen. Nur Erda bleibt mit dem Ring im Lichtkegel an der Rampe stehen. Diese alte, nackte Frau, schlurft immer wieder über die Bühne, eine uneingelöste Leitmotiv-Behauptung. Wenn sie zum Gegenüber von Brünnhildes Schlussmonolog wird, sieht das nach „Mama ist eben doch die beste“ aus. Dabei geht es um ein Aufbrechen von kapitalistischen Geld-, Liebes-, Macht- und Todes-Mechanismen, die längst jenseits von Erdas archaischem Weltverständnis liegen.
Immerhin lässt sich das Ensemble auf Koskys Personenführung ein. Jeffrey Dowd ist ein kultiviert singender Siegfried, während die vibratoreiche Brünnhilde von Caroline Whinsnant noch kein überzeugendes Format hat. Attila Jun ist ein wuchtiger Brutalo Hagen, Heiko Trinsinger und Francisca Devos machen als Gunther und Gutrune in jeder Hinsicht gute Figur. Herausragend ist Ieva Prudnikovaite nicht nur als Floßhilde und zweite Norne, sondern vor allem als eine packende Waltraude.
Auch wenn es im Graben etliche Konditionsschwächen und Wackler gab, vermochte Stefan Soltesz mit langem Atem den großen dramatischen Bogen zu halten. Und das nicht nur da, wo ihm szenische Leerstellen das Feld der Imagination ganz überlassen hatten.




Götterdämmerung

Geschrieben von: G.M. /www.operagazet.be/(Gepubliceerd op 23.11.2010

Götterdämmerung
Opera van Richard Wagner (muziek en libretto). Gecreëerd in het Festspielhaus te Bayreuth op 17 augustus 1876. Première van deze productie in het Aalto Musiktheater te Essen op 10 oktober 2010. Bijgewoonde voorstelling op 21 oktober 2010.
“Nächstes Jahr machen wir alles anders”. Deze uitspraak van een zekere Richard Fricke die in 1876 betrokken was bij de eerste repetities in Bayreuth, werd in het programmaboekje van deze reeks opvoeringen van “Götterdämmerung” vermeld om ons te doen geloven dat alles wat “anders” is, ook gerechtvaardigd is. Tot nu toe waren de hersenkronkels van Peter Konwitschny voor de enscenering van “Götterdämmerung” in het Staatstheater van Stuttgart in 2002, het gekste dat wij ooit beleefden. Wat wij hier in Essen voorgeschoteld kregen, tart werkelijk iedere verbeelding. De uit Australië afkomstige Barrie Kosky die in 2006 met een regie van “Der fliegende Holländer” het Aalto Theater al teisterde, was ook nu verantwoordelijk voor de troep op de scène.
Nog vóór de eerste noot geklonken had, wandelde een volledig naakt oud vrouwtje het proscenium op met een grote kartonnen doos waaruit zij drie stoelen tevoorschijn haalde. De drie Nornen kwamen dan de scène opgewandeld, zetten zich op de stoelen en het spektakel kon beginnen. Het vrouwtje, dat zowat de spilfiguur van deze voorstelling zou worden en geregeld de scène opwandelde, moest Erda voorstellen en de kartonnen doos was de eerste van een hele reeks. Een grotesk tekenfilmpje beeldde uit wat de Nornen te vertellen hadden, waarbij de koord die zij naar elkaar gooien, vervangen werd door een lange filmstrook die tenslotte breekt en ons verlost van het tekenfilmpje waar de “Eschenstamm” er als broccoli uitzag en Wotan’s ogen als biljartbollen. Hoe Siegfried en Brünnhilde tekeergaan in de volgende scène, ziet U op de foto hieronder. In de Gibichungenhall ging het er al even onstuimig aan toe, waarbij Siegfried Gutrune bespringt als een wild dier en de “Blutbrüderschaft” een bloedig spektakel wordt.
Wij zouden bladzijden lang kunnen doorgaan met het opsommen van al de absurditeiten die deze enscenering rijk is, maar zullen ons beperken tot degenen die ons het meest geërgerd hebben. Gunther die op het einde van de eerste akte Brünnhilde in een kartonnen doos steekt en ze er in de tweede akte terug uithaalt. Barrie Kosky is blijkbaar geobsedeerd door dozen, want ook de dode Siegfried werd in de derde akte in een doos gerold. Zelfs het volledige koor en figuranten komen in de tweede akte uit een enorme doos.
Bijzonder misplaatst vonden wij de uitbeelding van Alberich als een karikaturale orthodoxe jood. Precies zoals “de jood” afgebeeld stond op de antisemitische pamfletten van de Nazi’s in de jaren 30/40 van de vorige eeuw. Zijn ze dat daar in Essen - de stad van Krupp - al vergeten? Als deze zelfde jood het dan nog in de derde akte met een al even karikaturale Viking (Wotan?) het “op zijn hondjes” doet, vonden wij dat de grenzen van het aanvaardbare en van de goede smaak iets te ver overschreden waren. Dat het allemaal in een droom van Siegfried zou plaatsvinden, maakt het niet geoorloofd. Het beste zou zijn om Barrie zelf in één van zijn kartonnen dozen te steken en hem naar Australië terug te sturen, liefst rechtstreeks naar een verlaten gat tussen Katherine en Alice Spings waar de Aboriginals zijn absurde droomwereld misschien zullen waarderen.
Al die poespas zouden wij er nog bijnemen, mocht de voorstelling muzikaal veel te bieden gehad hebben, maar ook dat was wisselvalling. Voor de Brünnhilde van Caroline Whisnant koesterden wij hoge verwachtingen. Wij hoorden haar als een kernachtige verversvrouw in “Die Frau ohne Schatten” in Essen (2008) en in Mannheim (2009) en als een fenomenale “Elektra” in Frankfurt (2009). Wij waren dan ook sterk ontgoocheld dat zij onophoudend storende borsttonen produceerde en dat de glans volledig uit haar stem verdwenen was. Slechts in de slotscène wist zij dat een beetje goed te maken, maar dan was de avond al bijna voorbij. De Siegfried van Jeffrey Dowd was dan weer beter dan wij verwacht hadden. De man heeft een mooi timbre, maar de stem is niet groot. Alleszins te klein voor de rol van Siegfried, waardoor het hem aan bravoure ontbrak. De topnoten werden vaak maar even aangetipt, soms gaf hij ze helemaal niet of werden ze in piano gezongen. Een mager beestje dus, dat wel bij zijn frêle en bijna kinderlijk uiterlijk paste.
De Koreaanse bas Attila Jun was een sonore maar weinig subtiele Hagen. Hij domineerde door zijn krachtig stemvolume en een hoogte die wij maar zelden bij zijn stemsoort tegenkomen. Zijn donker, vettig timbre paste uitstekend bij de rol, enkel de diepe noten hadden iets meer “creux” mogen hebben. Het was ook jammer dat hij zijn ruime vocale middelen niet steeds in toom wist te houden en dat hij ons een beetje te veel van het goede gaf. De bariton Günter Kiefer als zijn vader Alberich diende hem waardig van repliek. Vocaal althans, want scenisch was de strippartij die hij moest uitvoeren alvorens zich in de armen en op de schoot van zijn zoon te vleien alles behalve waardig.
De bariton Heiko Trinsinger was vocaal voortreffelijk als Gunther en ook de sopraan Francisca Devos kon ons bekoren als zijn zuster Gutrune. Zij was bovendien een verdienstelijke derde Norn, naast de rampzalig slechte eerste Norn van de alt Ildiko Szönyi. De mezzosopraan Ieva Prudnikovaite klonk aangenaam in de drie rollen die zij voor haar rekening nam: Waltraute, de tweede Norn en Flosshilde. De twee andere Rijndochters waren Katherina Müller en Marie-Helen Joël.
Het koor imponeerde door zijn klankvolume en de felheid waarmee zij tekeer gingen. Niets dan lof voor Stefan Soltesz en de Essener Philharmoniker die met deze “Götterdämmerung” de nieuwe “Essener Ring” tot voltooiing brachten. Soltesz heeft niet altijd de stuwende kracht die wij kennen van bijvoorbeeld Daniel Barenboim, maar hij zorgt steeds voor een correct samenspel en hij heeft bovenal een aanstekelijke muzikaliteit. Het orkest volgde hem perfect in zijn intenties en klonk bijna als kamermuziek waar het nodig was om de zwakke Siegfried niet te overstemmen. Het orkest beschikt ook over een meer dan degelijke blazerssectie, zo broodnodig bij de verklanking van Wagner’s werken.
Een aanrader kunnen wij deze voorstelling moeilijk noemen, tenzij U er op belust bent om regie-experimenten bij te wonen. In dit geval mag U één van de volgende voorstellingen niet missen.